Erfassung vor Ort
Objekt- und Kulturgutdigitalisierung
Eine Skulptur, ein Fundstück, ein Möbelstück aus dem Depot: Objekte, die man nicht beliebig herumreichen kann und die trotzdem sichtbar und untersuchbar sein sollen. Wir erfassen sie dreidimensional und farbtreu — berührungsfrei, ohne Beschichtung, auf Wunsch bei Ihnen im Haus. Was daraus wird, entscheiden Sie: Archivdatensatz, Forschungsgrundlage, Ausstellungsstück, Online-Ansicht.
Bei der Objektdigitalisierung wird die Oberfläche eines Objekts optisch erfasst und zu einem dreidimensionalen Modell mit Farbe und Oberflächenstruktur zusammengesetzt. Anders als beim technischen Bauteilscan zählt hier nicht nur das Maß, sondern das Aussehen: Farbe, Textur und Materialeindruck. Wir liefern in offenen Archivformaten, dokumentieren Maßstab und Aufnahmebedingungen und richten auf Wunsch eine Ansicht ein, die im Browser läuft.

Zwei Verfahren, zwei Ergebnisse
Für die Erfassung von Objekten gibt es zwei Wege, und sie unterscheiden sich weniger im Preis als im Ergebnis. Fotogrammetrie rechnet das Modell aus vielen Fotos und ist stark bei Farbe und Textur. Der Streifenlicht-Scanner misst die Form direkt und ist stark bei Geometrie und feinem Relief. Welches Verfahren richtig ist, hängt davon ab, was das Modell später leisten soll.
| Fotogrammetrie | Streifenlicht-3D-Scan | |
|---|---|---|
| Erfasst | Form aus vielen Fotos, sehr gute Farbe und Textur | Form direkt gemessen, feinstes Relief |
| Stark bei | Bemalten, gemusterten und großflächigen Objekten | Werkzeugspuren, Inschriften, Prägungen, Abnutzung |
| Schwach bei | Einfarbigen, glatten und glänzenden Oberflächen | Farbtreue — sie wird getrennt aufgenommen |
| Objektgröße | Von der Statue bis zum Bauwerk | Von der Münze bis etwa Möbelgröße |
| Aufwand je Objekt | Gering, gut für Serien geeignet | Höher, dafür messgenau |
Bei Sammlungsserien wählen wir meist ein Verfahren für alle Objekte, damit der Bestand einheitlich bleibt. Bei Einzelstücken mit besonderer Bedeutung kombinieren wir beide: gemessene Form, aufgenommene Farbe.
Was Sie bekommen
- Ein farbiges 3D-Modell je Objekt in offenen Formaten — OBJ oder PLY als Archivfassung, GLB für die Anzeige.
- Eine reduzierte Fassung für Web und Präsentation, die auch auf einem Mobilgerät flüssig läuft.
- Die Texturen getrennt in voller Auflösung, damit sie unabhängig vom Modell weiterverwendbar bleiben.
- Ein Aufnahmeprotokoll je Objekt: Verfahren, Auflösung, Maßstabsbezug, Datum — die Angaben, die ein Archiv später braucht.
- Auf Wunsch eine Web-Ansicht, in der sich das Objekt im Browser drehen lässt, ohne Software und ohne Konto.
Was wir dafür brauchen
Die Objekte — und eine Auskunft darüber, wofür die Digitalisierung gedacht ist. Ein Archivdatensatz und ein Ausstellungsmodell sind nicht dasselbe.
- Art, Anzahl und ungefähre Größe der Objekte.
- Den Zweck: Bestandsdokumentation, Forschung, Ausstellung, Online-Präsentation, Replikat.
- Auflagen zum Umgang: Was darf angefasst, bewegt, beleuchtet werden und was nicht.
- Ob die Objekte das Haus verlassen dürfen — sonst kommen wir mit der Ausrüstung zu Ihnen.
- Vorgaben Ihrer Einrichtung zu Formaten, Benennung und Metadaten, falls es welche gibt.

So läuft es ab
Fünf Schritte vom Objekt zum Datensatz. Bis zur Freigabe des Angebots entstehen keine Kosten.
Anfrage
Sie beschreiben die Objekte und den Zweck. Fotos helfen uns sehr bei der Einschätzung des Aufwands.
Sichtung
Wir klären Verfahren, Auflösung und Formate — und bei empfindlichen Stücken, wie sie gehandhabt werden.
Festpreis-Angebot
Sie erhalten ein Angebot je Objekt oder je Serie, mit genau benanntem Lieferumfang.
Aufnahme
Bei Ihnen im Haus oder bei uns. Berührungsfrei, ohne Beschichtung, ohne Belastung für das Objekt.
Aufbereitung und Lieferung
Die Modelle werden zusammengesetzt, bereinigt und mit Protokoll geliefert. Bei Serien in Teillieferungen.
Was kostet das?
Bei Einzelstücken bestimmt die Nachbearbeitung den Preis, bei Serien die Stückzahl — ab etwa zwanzig gleichartigen Objekten sinkt der Aufwand je Stück deutlich. Die Pakete unten sind Einstiegsgrößen; das verbindliche Angebot folgt nach der Sichtung.
- Einzelobjekt
ab 850 €
Ein Stück, vollständig erfasst und aufbereitet — für Dokumentation oder Präsentation.
- Vollständige Erfassung inklusive Unterseite
- Farbiges Modell als OBJ oder PLY für das Archiv
- Reduzierte Web-Fassung als GLB
- Aufnahmeprotokoll mit Maßstabsbezug
- Sammlungspaket
ab 2.800 €
Für Serien: einheitlich erfasst, einheitlich benannt, einheitlich dokumentiert.
- Ab zwanzig Objekten, Aufnahme bei Ihnen im Haus
- Einheitliches Verfahren und einheitliche Auflösung über den ganzen Bestand
- Benennung und Metadaten nach Ihrer Vorgabe
- Archiv- und Web-Fassung je Objekt
- Eine Web-Ansicht für den gesamten Bestand
Anfrage und Einschätzung sind kostenlos. Angegeben sind Untergrenzen, keine Festpreise — der verbindliche Preis steht im Angebot. Aufnahmen vor Ort außerhalb von 100 km werden gesondert ausgewiesen. Abrechnung per Vorkasse, Rechnung mit ausgewiesener Umsatzsteuer; für öffentliche Einrichtungen ist Kauf auf Rechnung möglich.
Projekt anfragenHäufige Fragen
Wie farbtreu ist das Ergebnis?
Farbtreu genug für Dokumentation und Präsentation, aber kein Ersatz für eine kalibrierte Reproduktionsaufnahme. Wir arbeiten mit gleichmäßiger Beleuchtung und einer Farbkarte im Aufnahmefeld, sodass sich die Farben nachträglich abgleichen lassen. Wenn Ihre Einrichtung feste Vorgaben für Farbmanagement hat, nennen Sie sie bitte in der Anfrage — das ist im Nachhinein nicht mehr zu korrigieren.
Ist das Verfahren für empfindliche Objekte unbedenklich?
Ja. Beide Verfahren arbeiten berührungsfrei und ohne Beschichtung — das Mattierungsspray, das beim technischen Bauteilscan üblich ist, kommt bei Kulturgut nicht zum Einsatz. Es wird kein Laser eingesetzt, der Material erwärmt, und die Beleuchtung entspricht der einer normalen Fotoaufnahme. Was das Objekt belastet, ist allenfalls das Bewegen: Deshalb kommen wir bei empfindlichen Stücken lieber zu Ihnen, als sie transportieren zu lassen.
In welchen Formaten wird geliefert — und sind die in zwanzig Jahren noch lesbar?
Wir liefern in offenen, dokumentierten Formaten: OBJ oder PLY für die Archivfassung, Texturen getrennt als PNG oder TIFF, GLB für die Anzeige. Alles davon ist offengelegt und wird von freier Software gelesen — anders als das native Format einer Scansoftware, das mit deren Lizenz steht und fällt. Dazu kommt je Objekt ein Protokoll im Klartext mit Verfahren, Auflösung, Maßstabsbezug und Datum.
Können wir die Objekte online zeigen?
Ja. Wir liefern zu jedem Objekt eine reduzierte Fassung, die im Browser flüssig läuft, auch auf dem Telefon — das Archivmodell selbst hat oft mehrere hundert Megabyte und ist dafür ungeeignet. Auf Wunsch richten wir eine Ansicht ein, in der sich das Objekt drehen und heranzoomen lässt, ohne Software und ohne Konto beim Besucher. Sie können die Fassungen auch in ein vorhandenes Sammlungsportal einspielen.
Die Objekte dürfen das Haus nicht verlassen. Geht das trotzdem?
Das ist bei Sammlungen eher die Regel als die Ausnahme, und es ist kein Problem. Wir bringen die Ausrüstung mit und bauen im Depot, in der Werkstatt oder im Ausstellungsraum auf; gebraucht werden eine Stellfläche von wenigen Quadratmetern und Strom. Bei größeren Beständen lohnt es sich, einen Raum für einige Tage einzurichten und die Objekte dort nacheinander durchzuschleusen — das ist schneller und schonender als einzelne Termine.
Passend dazu
Soll aus dem Objekt ein bearbeitbares CAD-Modell werden, etwa für einen Nachbau, ist Reverse Engineering der nächste Schritt. Und für die Grundlagen zum Nachlesen:
