DXF, DWG, STEP oder PDF? Welches Dateiformat wofür
Stand: 30.07.20264 Min. Lesezeit
Die vier Formate, die im Zuschnitt ständig vorkommen: was sie unterscheidet, wofür sie taugen und welches Sie wann liefern sollten.

Sobald es um gefertigte Teile geht, fliegen einem vier Kürzel um die Ohren: DXF, DWG, STEP und PDF. Sie werden im Alltag oft in einen Topf geworfen, sind aber für ganz unterschiedliche Zwecke gemacht. Wer die Unterschiede kennt, spart sich Rückfragen und liefert beim ersten Mal das Richtige.
Die grundlegende Trennung: 2D und 3D
Bevor es um einzelne Formate geht, lohnt eine Unterscheidung, die alles andere ordnet. Manche Formate beschreiben eine Fläche, andere einen Körper.
Ein Flächenformat kennt nur Länge und Breite. Es beschreibt eine Silhouette, so wie der Umriss eines ausgestochenen Plätzchens. Für alles, was aus einer Platte geschnitten wird, etwa Blech, Acryl oder Sperrholz, ist das genau richtig, denn die dritte Dimension ist ohnehin überall gleich: die Materialstärke.
Ein Körperformat beschreibt dagegen ein räumliches Gebilde mit allen Flächen, Rundungen und Hinterschneidungen. Das braucht man beim Fräsen, Drehen und 3D-Druck, und immer dann, wenn ein Teil nicht aus einer flachen Platte entsteht.
DXF: der Standard für den Zuschnitt
DXF ist ein 2D-Austauschformat und im Zuschnitt der Normalfall. Es wurde von Autodesk veröffentlicht, damit CAD-Programme unterschiedlicher Hersteller Zeichnungen weitergeben können, und ist offen dokumentiert. Deshalb liest es praktisch jede Maschinensteuerung.
Stärken: extrem verbreitet, schlank, für Schneidverfahren unmittelbar verwertbar. Schwächen: kennt keine Materialstärke, keine Toleranzen, keine Werkstoffangabe. Außerdem speichert es Koordinaten ohne verlässliche Einheit, was regelmäßig zu Teilen in falscher Größe führt.
DWG: das Hausformat von AutoCAD
DWG ist das native Format von AutoCAD. Es enthält alles, was DXF enthält, und darüber hinaus programmspezifische Informationen. Dafür ist es binär, nicht offen dokumentiert und wird von weniger Steuerungen direkt gelesen.
In der Praxis heißt das: DWG ist gut, wenn Sie mit einem Konstruktionsbüro arbeiten, das ebenfalls AutoCAD nutzt. Für den Weg zur Schneidmaschine wird daraus fast immer eine DXF gemacht. Wenn Sie eine DWG haben, schicken Sie sie ruhig mit, nur sollte man nicht davon ausgehen, dass der Betrieb sie unmittelbar in die Maschine legen kann.
STEP: das Format für Körper
STEP ist ein herstellerneutrales 3D-Format und in der Norm ISO 10303 festgeschrieben. Es beschreibt vollständige Körper und ist damit das Gegenstück zu DXF: Wo DXF eine Silhouette liefert, liefert STEP ein Bauteil.
Für ein flaches Blechteil ist STEP unnötig aufwendig, und je nach Aufbau muss die Abwicklung daraus erst wieder erzeugt werden. Für gefräste oder gedrehte Teile führt dagegen kein Weg daran vorbei. Eine häufige Konstellation: Der Kunde hat ein STEP eines Gehäuses und braucht daraus die flachen Zuschnitte für die Bleche.
PDF: gut zum Ansehen, heikel zum Fertigen
PDF ist ein Präsentationsformat. Es wurde gemacht, damit ein Dokument überall gleich aussieht, nicht damit eine Maschine daraus Werkzeugwege berechnet. Trotzdem ist es das, was Privatkunden am häufigsten liefern, und das ist auch in Ordnung, solange klar ist, womit man es zu tun hat.
Der entscheidende Unterschied liegt zwischen Vektor-PDF und Raster-PDF. Ein Vektor-PDF stammt aus einem Zeichenprogramm und enthält echte Geometrie; daraus lässt sich oft direkt eine saubere Kontur ableiten. Ein Raster-PDF ist ein eingebettetes Bild, meist ein Scan, und muss vollständig nachgezeichnet werden. Ansehen kann man beiden das nicht: Man muss hineinzoomen.
| Format | Beschreibt | Direkt schneidbar | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| DXF | Fläche (2D) | Ja | Laser, Plasma, Wasserstrahl, Fräsen von Platten |
| DWG | Fläche (2D) | Meist nach Umwandlung | Austausch mit CAD-Büros |
| STEP | Körper (3D) | Nein | Fräsen, Drehen, 3D-Druck, Baugruppen |
| Darstellung | Nur als Vektor, mit Nacharbeit | Zeichnungen ansehen und weitergeben |
Weitere Formate, die vorkommen
Gelegentlich begegnen einem SVG, AI oder EPS. Das sind Vektorformate aus der Grafikwelt. Geometrisch taugen sie, aber sie kennen häufig keine verlässlichen Einheiten und arbeiten mit Konturen, die eine Strichstärke haben, was in der Fertigung zu doppelten Linien führen kann. Für Gravuren und Schriftzüge sind sie brauchbar, für maßhaltige Teile sollte man sie in eine DXF überführen lassen.
STL wiederum ist ein 3D-Format, das ausschließlich aus Dreiecken besteht. Für den 3D-Druck ist es der Standard, für die spanende Fertigung ist es unbrauchbar, weil aus den Dreiecken keine exakten Radien und Ebenen mehr rekonstruierbar sind.
Was Sie liefern sollten
Die pragmatische Antwort: alles, was Sie haben. Es kostet nichts, mehrere Dateien mitzuschicken, und was für den Betrieb am nützlichsten ist, entscheidet sich oft erst beim Ansehen. Wer eine DXF hat, schickt die DXF. Wer ein STEP hat, schickt das STEP. Wer nur eine Skizze hat, schickt die Skizze und nennt die Maße dazu.
Nur eines sollte man vermeiden: eine Datei umzuwandeln, ohne das Ergebnis zu prüfen. Ein Konverter, der aus einem Scan eine DXF macht, produziert oft tausende winzige Liniensegmente statt sauberer Bögen. Solche Dateien sehen auf den ersten Blick richtig aus, lassen die Maschine aber ruckeln und erzeugen sichtbar kantige Rundungen. Die Originalvorlage mitzuschicken ist in dem Fall wertvoller als die Umwandlung.
Eine Anmerkung zur Dateibenennung
Ein unscheinbarer Punkt, der in der Praxis viel Verwirrung erspart: Benennen Sie Dateien so, dass sie ohne Öffnen unterscheidbar sind. Nicht »zeichnung.dxf« und »zeichnung_final.dxf«, sondern »halteblech-3mm-alu.dxf«. Wenn mehrere Fassungen im Umlauf sind, gehört ein Datum oder eine Fassungsnummer in den Namen.
Das klingt nach Kleinkram, ist aber die Ursache eines der teureren Fehler überhaupt: Es wird die falsche Fassung geschnitten, weil zwei Dateien fast gleich heißen. Bei einem einzelnen Teil ist das ärgerlich, bei einer Serie wird es teuer.
Häufige Fragen
Kann man aus einem PDF eine DXF machen?
Bei einem Vektor-PDF meist ja, und oft sogar maßhaltig. Bei einem gescannten Raster-PDF muss die Geometrie neu gezeichnet werden: Eine automatische Umwandlung liefert dort selten brauchbare Ergebnisse.
Ist DWG besser als DXF?
Nicht besser, sondern anders. DWG speichert mehr Programmdetails, DXF ist offener und wird von mehr Maschinen gelesen. Für den Zuschnitt ist DXF der praktischere Weg.
Ich habe nur ein STEP. Geht das für ein Blechteil?
Grundsätzlich ja. Aus dem Körper muss dann die flache Abwicklung erzeugt werden, wobei Biegeradien und Materialstärke berücksichtigt werden. Das ist Mehraufwand, aber üblich.
Warum will der Betrieb eine bestimmte DXF-Version?
Ältere Steuerungen können neuere Fassungen nicht lesen. R12 ist die sicherste Wahl, weil es keine modernen Konstrukte enthält und deshalb überall verstanden wird.
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